Von ChatGPT bis IFG: Rechtliche Herausforderungen für PR & Public Affairs

Dorda Rechtsanwälte GmbH // Wien
Profi-Treff
08. April 2026
Universitätsring 10 · 1010 Wien

Der PRVA Circle Public & Political Communication lädt am 8. April zu einem PRofi-Treff bei DORDA Rechtsanwälte. Beim gemeinsamen Frühstück geben Alexandra Ciarnau, Co-Leiterin der DORDA Digital Industries Group und Expertin für IT/IP- und Datenschutzrecht, sowie Philipp Pallitsch, Co-Head des Public Law Teams von DORDA, einen kompakten Überblick über jene juristischen Neuerungen, die 2026 maßgeblich auf Kommunikations- und PR-Verantwortliche im öffentlichen Sektor und in staatsnahen Einrichtungen zukommen.

 

Im Fokus steht der rechtskonforme Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT, Gemini oder DeepSeek: Während die KI-Entwicklung von den USA und China dominiert wird, sehen sich europäische Unternehmen mit der Frage konfrontiert, wie Modelle aus Drittstaaten compliant genutzt werden können. Diskutiert werden dabei zentrale Compliance-Faktoren, die Positionierung der EU zu europäischen KI-Modellen sowie mögliche rechtliche Risiken.

 

Weiters gibt Sarah Fürlinger, Pressesprecherin und Referatsleiterin für Informationen und Publikationen der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), bei dem PRofi-Treff des Circle Public and Political Communications praxisnahe Einblicke in die Digitalkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der BWB sowie in den strategischen Zugang der Behörde zu digitaler Kommunikation. Im Fokus stehen dabei die Besonderheiten und Herausforderungen der Behördenkommunikation bei der Umsetzung des Informationsfreiheitsgesetzes sowie beim Einsatz von KI-Tools in ihrer Abteilung.

 

Der PRofi-Treff des 2025 initiierten PRVA-Circles Public & Political Communication widmet sich weiters ersten Praxiserfahrungen mit dem neuen Informationsfreiheitsgesetz (IFG): Wie lassen sich Datenschutz- und Geheimhaltungsinteressen im Spannungsfeld der neuen Transparenzregeln wahren?

Nachbericht

PRVA PRofi-Treff: KI, Transparenz und neue Spielregeln im Vergaberecht

8. April 2026 | DORDA Rechtsanwälte, Wien

Beim PRVA PRofi-Treff des Circles Public & Political Communication am 8. April 2026 wurde deutlich, wie stark sich die Rahmenbedingungen für Kommunikationsarbeit derzeit verändern. Im Fokus standen aktuelle Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz, regulatorische Anforderungen sowie die anstehende Reform des Vergaberechts.

KI und EU AI Act: Neue Transparenzpflichten

Den Auftakt machte Alexandra Ciarnau mit einem Überblick über die Auswirkungen des EU AI Acts auf die Kommunikationspraxis. Besonders hervorgehoben wurden die künftig geltenden Transparenz- und Kennzeichnungspflichten im Umgang mit KI-generierten Inhalten.

Als Deepfakes gelten dabei sämtliche realitätsnahen, künstlich erzeugten oder manipulierten Darstellungen – unabhängig davon, ob es sich um Bild-, Audio- oder Videomaterial handelt. Ab dem 2. August 2026 sind entsprechende Inhalte grundsätzlich als solche kenntlich zu machen. Ziel ist es, für Nutzerinnen und Nutzer klar erkennbar zu machen, ob Inhalte künstlich erzeugt wurden.

Die Kennzeichnung kann sowohl technisch (maschinenlesbar) als auch sichtbar erfolgen. Gleichzeitig wurde betont, dass keine pauschale Kennzeichnungspflicht besteht: Wird ein Inhalt redaktionell geprüft, verantwortet oder lediglich unterstützend unter Einsatz von KI erstellt, kann eine Kennzeichnung entfallen. Entscheidend ist somit stets der konkrete Kontext der Veröffentlichung.

Vergaberecht vor umfassender Reform

Im zweiten Themenblock widmete sich Philipp Pallitsch der geplanten Novelle des Bundesvergabegesetzes 2026. Das bestehende Vergaberecht stammt in wesentlichen Teilen aus dem Jahr 2014 und gilt inzwischen als reformbedürftig, zugleich aber auch als stark reguliert.

Die Novelle sieht unter anderem höhere Schwellenwerte vor, wodurch Direktvergaben künftig erleichtert werden sollen – etwa im Baubereich bis zu einem Auftragswert von 200.000 Euro. Ziel ist eine Beschleunigung der Verfahren sowie eine Reduktion administrativer Hürden.

Gleichzeitig wird das Bestangebotsprinzip weiter gestärkt. Kriterien wie Qualität, Nachhaltigkeit und Innovation gewinnen dadurch an Bedeutung gegenüber rein preisgetriebenen Entscheidungen.

Auch im Bereich Transparenz sind Neuerungen vorgesehen: Mit der Einführung standardisierter eForms sowie der Verknüpfung mit dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) gehen erweiterte Veröffentlichungspflichten einher, etwa für Verträge ab einem bestimmten Auftragswert.

Praxisperspektive: Kommunikation im Spannungsfeld

Abschließend gab Sarah Fürlinger von der Bundeswettbewerbsbehörde Einblicke in die behördliche Praxis. Dabei wurde deutlich, dass Künstliche Intelligenz bereits heute eine sinnvolle Unterstützung in der Kommunikationsarbeit darstellen kann. Gleichzeitig bleibt fundiertes Kommunikationshandwerk eine zentrale Voraussetzung.

Die Bundeswettbewerbsbehörde setzt beim Einsatz von KI bewusst auf interne Entwicklungen, um Unabhängigkeit und Datensicherheit zu gewährleisten. Erste Anwendungen befinden sich derzeit im Aufbau.

Im Umgang mit Anfragen im Rahmen des Informationsfreiheitsgesetzes setzt die Behörde auf direkte Kommunikation mit den Anfragenden. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine rasche und effiziente Bearbeitung und zeigt zugleich das Spannungsfeld zwischen Transparenzanforderungen und Datenschutz.

Fazit

Der PRofi-Treff machte deutlich, dass sich Kommunikation zunehmend in einem dynamischen Umfeld aus technologischen Entwicklungen und regulatorischen Anforderungen bewegt. Sowohl der EU AI Act als auch die Reform des Vergaberechts bringen neue Spielregeln mit sich, die eine aktive Auseinandersetzung und strategische Anpassung in der Praxis erfordern.

Ein herzlicher Dank gilt DORDA Rechtsanwälte für die Gastfreundschaft.

Fotos: supercontent, Jochen Russmann

PRVA
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