Wie verändert sich die Arbeitswelt und welche Rolle spielt Kommunikation dabei? Zwischen Fachkräftemangel, New Work und steigenden Anforderungen an Diversität und Unternehmenskultur wird klar: Kommunikation ist heute ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, Talente zu gewinnen, Orientierung zu geben und Veränderung glaubwürdig zu gestalten.
Beim KomKon sprechen wir darüber im Panel „Arbeitswelt, Diversität, Transformation und Kommunikation“. Vorab gibt uns Eva Mandl, Vertreterin der Wirtschaftskammer Wien und Gründerin der PR-Agentur Himmelhoch, erste Einblicke in ihre Perspektive auf diese Entwicklungen.
Employer Branding ist für mich keine Imagefrage, sondern eine Führungsfrage. Kommunikation ist heute ein entscheidender Wettbewerbsfaktor im Kampf um Talente. Menschen entscheiden sich längst nicht mehr nur für einen Job, sondern für Haltung, Kultur, Perspektive und Glaubwürdigkeit. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel reicht es nicht, gute Stellen auszuschreiben. Unternehmen müssen klar zeigen, wofür sie stehen, wie sie führen und was Mitarbeitende bei ihnen tatsächlich erwartet.
Am Ende zählt nicht das Versprechen, sondern das Erleben. Wer Talente gewinnen und halten will, muss nicht lauter kommunizieren, sondern glaubwürdiger. Genau daraus entstehen Vertrauen, Orientierung und Zugehörigkeit.
Diversität ist kein Kommunikationsinhalt, sondern ein Realitätscheck. Sie darf kein Imageprojekt sei, sondern muss sich in Strukturen, Entscheidungen und Verhalten zeigen. Das beginnt bei der Haltung des Managements, reicht über faire Prozesse bis hin zu einer Unternehmenskultur, in der unterschiedliche Perspektiven erwünscht sind.
Es braucht echte Haltung, konkrete Maßnahmen und eine Sprache, die inklusiv, respektvoll und anschlussfähig ist. Kommunikation kann Diversität sichtbar machen, sie ersetzt fehlende Realität jedoch nicht. Anders gesagt: Nicht gute Kommunikation macht Diversität glaubwürdig, sondern glaubwürdig gelebte Diversität macht Kommunikation stark.
Transformation scheitert selten an der Veränderung selbst, sondern daran, dass Menschen den Sinn dahinter nicht erkennen. Die größte Herausforderung ist derzeit, dass viele Veränderungen gleichzeitig passieren. Unternehmen müssen sich wirtschaftlich behaupten, ihre Organisation weiterentwickeln, auf neue Erwartungen von Mitarbeitenden reagieren und dabei auch klar und glaubwürdig kommunizieren. Das erzeugt enormen Druck.
Ich glaube nicht daran, Kommunikation gegen die Realität zu machen. Ich glaube daran, Realität klug zu lesen und daraus Chancen zu entwickeln. Genau das ist für mich Serendipität in der Kommunikation: nicht an einem idealisierten Arbeitgeber:innenbild festhalten, sondern ehrlich hinschauen, was da ist — und daraus ein glaubwürdiges Zukunftsbild entwickeln. Das ist viel stärker als jedes glattpolierte Employer Branding-Versprechen.
Zwei Gedanken: Erstens Glaubwürdigkeit ist wichtiger als Perfektion. Mitarbeitende erwarten keine Hochglanzbotschaften, sondern Ehrlichkeit, Orientierung und Verlässlichkeit. Und zweitens interne Kommunikation verdient denselben strategischen Stellenwert wie externe. Wer die eigenen Mitarbeitenden nicht mitnimmt, wird auch nach außen nicht überzeugend sein.
Employer Branding ist für mich mehr als Imagepflege – es ist die sichtbar gemachte Unternehmenskultur. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, Diversität und Transformation reicht es nicht mehr, attraktiv zu wirken. Unternehmen müssen glaubwürdig sein.
Die entscheidende Frage ist nicht: Wie wollen wir als Arbeitgeber:in aussehen? Sondern: Was ist bei uns so echt, dass Menschen kommen, bleiben und stolz davon erzählen? Kommunikation kann das sichtbar machen – und nur, wenn es in der Realität verankert ist.