Amoklauf in Graz: Kommunizieren, wenn das Wort im Hals stecken bleibt

Der Steirische Presseclub // Steiermark
Profi-Treff
05. März 2026
Bürgergasse 2, 8010 Graz

Wenn etwas Furchtbares passiert, erinnern wir uns oft sehr lange und sehr genau an die Situation, die Örtlichkeit oder den Moment, wie wir davon erfahren haben. Der Amoklauf in einer Grazer Schule im Juni 2025 gehört für viele Menschen zu so einem tragischen Ereignis. Neben den zahlreichen Einsatzkräften, die an diesem unvergesslichen Tag Menschen gerettet und geschützt haben, die wieder Sicherheit und Ordnung hergestellt haben, waren in ähnlicher Geschwindigkeit auch die PR-Abteilungen und Medien gefordert, um erste verifizierte Informationen und Fakten in die Öffentlichkeit zu kommunizieren und dabei unter anderem an den Opferschutz, den Umgang mit Betroffenen, polizeiliche Ermittlungen, Nachahmungstäter und den Datenschutz zu denken.

 

Darüber sowie über ihre persönlichen Eindrücke sprechen bei einem Profi-Treff des PRVA Steiermark im Steirischen Presseclub am 5. März 2026 um 18:00 Uhr in Graz:

  • Roman Sommersacher, Stabsstelle Verwaltungs- und Krisenkommunikation Stadt Graz
  • Sabri Yorgun, Pressesprecher Landespolizeidirektion Steiermark
  • Stefan Loseries, Pressesprecher-Stv., Österreichisches Rotes Kreuz, Landesverband Steiermark

 

Moderiert wird die Veranstaltung von Alexandra Reischl (Steirischer Presseclub) und Andreas Rieger (PRVA Steiermark).

 

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Fotocredit: Stadt Graz/Fischer

Nachbericht

Am 5. März lud der PRVA Steiermark und der Steirische Presseclub zu einem besonderen Event ein, das sich einem schwierigen und sensiblen Thema widmete: dem Amoklauf in Graz am 10. Juni 2025.

Das Publikum war breit gefächert: Mitarbeiter:innen der Stadt Graz, der Einsatzorganisationen sowie der Fachhochschule nahmen teil, zudem zeigten Interessierte aus Wien großes Interesse. Um die Inhalte allen zugänglich zu machen, wurde der Abend aufgezeichnet und wird auf dem PRVA-YouTube-Kanal veröffentlicht.

Expert:innen berichten aus erster Hand

Im Mittelpunkt standen drei Expert:innen, die den Vorfall aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten:

  • Roman Sommersacher, Leiter der Stabstelle für Verwaltungs- und Krisenkommunikation der Stadt Graz, berichtete von den ersten Minuten nach dem Alarm und den Herausforderungen der schnellen Krisenreaktion.

  • Stefan Loseris vom Roten Kreuz gab Einblicke in die koordinierte Arbeit der Rettungskräfte und die interne Kommunikation der Einsatzorganisationen.

  • Sabri Jorgum, Pressesprecher der Landespolizei Steiermark, schilderte seine Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit und im Krisenmanagement vor Ort.

Die Expert:innen gliederten den Abend in sechs Themenfelder:

  1. Der Moment X – Alarmierung, erste Informationen und Entscheidungen.

  2. Koordination zwischen Einsatzorganisationen – Zusammenarbeit untereinander und mit Medienvertreter:innen.

  3. Opfer- und Täterschutz – Ethik und Schutz der Persönlichkeitsrechte.

  4. Gerüchte und Social Media – schnelle Informationsweitergabe und Prävention von Nachahmungstaten.

  5. Persönliche Belastungen und professionelle Distanz – Umgang mit psychischer Belastung.

  6. Lehren für die Zukunft – Nachbereitung und organisatorische Verbesserungen.

Schnelles Handeln in kritischen Minuten

Roman Sommersacher schilderte die erste Reaktion: „Um 10 Uhr erreichte uns der Notruf. Etwa zehn Minuten später hatten wir die Lage erfasst, auch wenn noch nicht klar war, dass es sich um einen Amoklauf handelte.“ Binnen acht Minuten wurde bereits eine erste Information über Social Media veröffentlicht – nicht, um Details zu verbreiten, sondern um das Informationsvakuum zu füllen und die Bevölkerung zu informieren, dass ein Einsatz läuft.

Besonders wichtig war ein sicherer Standort für Medienvertreter:innen und Einsatzkräfte vor Ort. Durch die Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz und den Einsatz von Funkgeräten konnte die Lage kontinuierlich beobachtet und koordiniert werden.

Koordination, Medien und ethische Verantwortung

Die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Rettungsdiensten und städtischen Behörden verlief effizient. Ein zentraler Kommunikationsstandort vor Ort sorgte dafür, dass Informationen gebündelt weitergegeben und Doppelarbeit vermieden wurde.

Social Media spielte eine Schlüsselrolle: zeitnah informieren, aber gleichzeitig Gerüchte und Panik verhindern. Sabri Jorgum betonte: „Es ging nicht um Details, sondern darum, die Bevölkerung zu informieren und die Anweisungen der Einsatzkräfte zu unterstützen.“

Persönliche Belastungen und Lehren für die Zukunft

Die psychische Belastung der Einsatzkräfte war ein weiterer Schwerpunkt. In den ersten Tagen funktionierten alle Beteiligten automatisch, ohne Zeit zur Verarbeitung. Nachbereitung, Supervision und professionelle Distanz sind entscheidend, um langfristige Belastungen zu vermeiden.

Aus dem Einsatz lassen sich zentrale Lehren ziehen:

  • Strukturierte Krisenkommunikation mit klaren Zuständigkeiten und Kommunikationswegen.

  • Medien- und Social-Media-Strategien für transparente, ethisch verantwortliche Kommunikation.

  • Koordination der Einsatzkräfte durch feste Standorte, Funkkommunikation und klare Abstimmungen.

  • Psychische Betreuung der Einsatzkräfte zur Stressreduktion und Burnout-Prävention.

Der Clubabend machte eindrucksvoll deutlich, dass Krisenkommunikation mehr ist als Informationsweitergabe: Sie ist ein Balanceakt zwischen Geschwindigkeit, Verantwortung, Sicherheit und ethischer Sensibilität. Gleichzeitig zeigte sich die Bedeutung von Vorbereitung, Routine und Teamarbeit – auch wenn niemand hofft, dass solche Szenarien eintreten.

Der Abend bot so einen einzigartigen Einblick in die Strategien der Krisenkommunikation im Ernstfall und die Reflexion der beteiligten Organisationen.

Credit: Steirischer Presseclub

PRVA
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