Wie können wir die Errungenschaften behalten und die nächsten Generationen drauf sensibilisieren?
Anlässlich des Welt Frauen Tages 2026 widmet sich der Public Relations Verband Austria (PRVA) dem Thema „50 Jahre Frauenrechte in Österreich“ mit einer Diskussionsveranstaltung. Die letzten fünf Jahrzehnte markieren einen tiefgreifenden Wandel: vom eingeschränkten Zugang zu Bildung, Beruf und politischer Teilhabe hin zu mehr rechtlicher und gesellschaftlicher Selbstbestimmung für Frauen. Selbstbestimmung bedeutet, über den eigenen Körper, das eigene Leben und die eigenen Entscheidungen frei verfügen zu können – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Lebensentwurf. Im Jubiläumsjahr machen wir darauf aufmerksam: Errungenschaften sind nicht unumkehrbar. Sie müssen geschützt, weiterentwickelt und neu erkämpft werden.
Die Task Force „Diversität & Inklusion“ des PRVA lädt herzlich zur Panel-Diskussion am 12. März 2026, 9:00 Uhr im Social Hub, Nordbahnstraße 47, 1020 Wien. Vertreter:innen aus verschiedenen Generationen diskutieren auf Basis aktueller Erfahrungen, moderiert von Pamela Rath, Autorin, politische Beobachterin und Diversity/Inclusion Expertin.
Panelist:innen
Am 12. März 2026 lud der Public Relations Verband Austria im Rahmen seines PRofi-Treffs zu einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „50 Jahre Frauenrecht auf Selbstbestimmung“ in den The Social Hub Vienna. Anlass war der Internationaler Frauentag, rund um den der Verband einen Blick auf fünf Jahrzehnte Gleichstellungsentwicklung in Österreich warf, und gleichzeitig diskutierte, wie diese Errungenschaften künftig gesichert werden können.
Organisiert von der Task Force „Diversität & Inklusion“ des PRVA kamen Vertreter:innen aus unterschiedlichen Generationen zusammen, um historische Entwicklungen, aktuelle Herausforderungen und zukünftige Perspektiven der Gleichstellung zu diskutieren. Moderiert wurde das Panel von Pamela Rath.
Am Podium diskutierten:
Anneliese Rohrer
Anna Wallner
Daniela Soykan-Tober
Kosima Kovar
Maciej Palucki
Zu Beginn wurde Feminismus als Grundsatz definiert, dass alle Menschen gleiche Rechte haben sollen. Ergänzend betonte Maciej Palucki, dass Gleichstellung nicht nur ein Wertebekenntnis sei: Sie erfordere Bewusstsein für strukturelle Ungleichheiten sowie aktives Fordern und Fördern.
Die Diskussion zeigte, dass die letzten fünf Jahrzehnte tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen gebracht haben. Historische Meilensteine in Österreich reichen vom Frauenwahlrecht über zentrale Reformen der 1970er-Jahre bis hin zu gesetzlichen Fortschritten wie der Abschaffung der Vergewaltigung in der Ehe. Besonders hervorgehoben wurde das Selbstbestimmungsrecht von Frauen über ihren eigenen Körper, das 1975 gesetzlich verankert wurde.
Ein persönlicher Zugang prägte viele Beiträge am Podium: Die Panelist:innen berichteten von ihren Müttern und Großmüttern und den sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten der Generationen. Während frühere Generationen oft in wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Abhängigkeit lebten, wurden viele dieser Frauen gleichzeitig als frühe Vorbilder für Selbstständigkeit und Stärke wahrgenommen.
Auch kulturelle Hintergründe beeinflussen, wie weibliche Erwerbstätigkeit wahrgenommen wird. In manchen Gesellschaften war es selbstverständlich, dass Frauen arbeiten, während dies im deutschsprachigen Raum lange als Ausnahme galt.
Als zentrale Ursachen für anhaltende Ungleichheit wurden patriarchale Machtstrukturen und religiöse Traditionen genannt. Viele Weltreligionen seien historisch von Männern geprägt worden, wodurch weibliche Perspektiven systematisch aus religiösen Schriften und Institutionen ausgeschlossen wurden.
Auch historische Narrative wurden kritisch hinterfragt: Archäologische Neufunde zeigen, dass das bekannte Bild vom männlichen Jäger und der weiblichen Sammlerin nicht haltbar ist. Viele Geschichtsbilder seien aus einer überwiegend männlichen Perspektive überliefert worden.
Dass patriarchale Strukturen keine biologische Notwendigkeit sind, verdeutlichen Beispiele matrilinearer Gesellschaften wie jene der Ashanti in Ghana, in denen Abstammung und soziale Organisation über die mütterliche Linie geregelt werden.
Mehrere Panelist:innen warnten vor einem aktuellen Backlash gegen feministische Errungenschaften. Soziale Medien, KI-gestützte Falschinformationen und der Rückzug von Faktenchecks auf Plattformen großer Technologiekonzerne erschweren zunehmend faktenbasierte Debatten über Gleichstellung.
Gerade deshalb sei es wichtig, Fortschritte nicht als selbstverständlich zu betrachten. Errungenschaften könnten auch wieder verloren gehen, wenn sie nicht aktiv verteidigt werden.
Als zentrale Stellschrauben für die Zukunft wurden mehrere Maßnahmen diskutiert:
Lohntransparenz:
Sie gilt als einer der wirksamsten Hebel gegen den Gender Pay Gap. Solange Gehaltsunterschiede bestehen, bleiben strukturelle Ungleichheiten auch gesellschaftlich legitimiert.
Strukturelle Rahmenbedingungen:
Gesellschaftlicher Druck und gesetzliche Regelungen – etwa zur gleichmäßigen Aufteilung der Karenz – wurden als notwendig erachtet. Freiwillige Veränderungen allein würden zu langsam wirken.
Frühe Sozialisation:
Geschlechterrollen beginnen sich bereits zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr zu verfestigen. Fehlende männliche Bezugspersonen in der Elementarpädagogik sowie stark gendercodierte Konsumprodukte verstärken stereotype Rollenzuschreibungen.
Der sogenannte „Confidence Gap“ entsteht laut Diskussion oft schon im Alter von acht bis neun Jahren: Sobald Mädchen stärker als weiblich wahrgenommen werden, setzt gesellschaftliche Bewertung ein, während das Selbstbewusstsein von Jungen meist stabil bleibt.
Ein weiterer Punkt der Diskussion war die gesellschaftliche Erwartung an Frauen, „funktionieren“ zu müssen. Die Mehrfachbelastung durch Beruf, Familie und gesellschaftliche Erwartungen führe häufig zu Erschöpfung. Dadurch würden Fortschritte nicht aktiv eingefordert und Rückschritte blieben oft lange unbemerkt.
Gleichzeitig wurde betont, dass Männer eine zentrale Rolle bei der Veränderung von Strukturen spielen. Selbst in progressiven Umfeldern reproduzieren Männer häufig unbewusst sexistische Verhaltensweisen. Als wirksame Intervention gilt das direkte, respektvolle Eingreifen durch andere Männer – etwa mit einfachen Sätzen wie: „Lass sie doch ausreden.“
Die Diskussion machte deutlich: 50 Jahre Frauenrechte in Österreich markieren bedeutende Fortschritte – doch Gleichstellung ist kein abgeschlossener Prozess. Sie muss kontinuierlich verteidigt, weiterentwickelt und aktiv gestaltet werden.
Der PRVA-Profi-Treff zeigte eindrucksvoll, wie wichtig der generationenübergreifende Austausch ist, um Erfahrungen sichtbar zu machen, strukturelle Ungleichheiten zu benennen und konkrete Schritte für eine gerechtere Zukunft zu entwickeln. Gerade im Jubiläumsjahr wurde klar: Selbstbestimmung bleibt eine gesellschaftliche Aufgabe – für Frauen und Männer gleichermaßen.