Wie wird aus einer klaren Haltung gegen sexuelle Belästigung, Mobbing und andere Diskriminierungsformen gelebte Unternehmenskultur?
Beim Online PRofi-Treff geben die Wiener Stadtwerke Einblick in ihr Konzernprojekt „Respekt für Grenzen“ – ein mehrfach ausgezeichnetes Praxisbeispiel für strategische interne Kommunikation. Im Mittelpunkt stand dabei nicht eine kurzfristige Kampagne, sondern die dauerhafte Verankerung von Null Toleranz im Arbeitsalltag. Die Wiener Stadtwerke zeigen, wie Kommunikation, Diversitäts- und Gesundheitsmanagement zusammenspielen müssen, damit Respekt nachhaltig wirkt. Für das Projekt wurde das Unternehmen für den PR-Staatspreis nominiert und gewann 2025 den INKOMETA Award in der Kategorie Equality, Diversity & Inclusion (EDI).
Gesprächspersonen: Sandra Acaris, Interne Kommunikation, und Gerhard Wagner, Diversitätsexperte der Wiener Stadtwerke
Im Rahmen unseres online – PROFI-Treffs gewährten die Wiener Stadtwerke spannende Einblicke in ihre interne Kommunikationskampagne „Respekt für Grenzen“, mit der eine klare Null-Toleranz-Haltung gegenüber sexueller Belästigung, Mobbing und Diskriminierung nachhaltig im Unternehmen verankert wurde.
Ausgangspunkt war ein bereits bestehendes Projekt zur Null-Toleranz bei sexueller Belästigung, das gemeinsam mit HR weiterentwickelt wurde. Ziel war es, die Themen Mobbing und Diskriminierung zu integrieren und unter einem positiven, verbindenden Dach zu vereinen.
Die Entscheidung fiel bewusst für eine rein interne Kampagne, um zunächst eine glaubwürdige Basis innerhalb der Organisation zu schaffen. Unter der Leitung von Sandra Acaris sowie in enger Zusammenarbeit mit Gerhard Wagner und Karin Korn entstand ein ganzheitlicher Ansatz, der bestehende Kulturinitiativen bündelte.
Parallel zur Kommunikation wurde die inhaltliche Basis gestärkt: Eine erweiterte Grundsatzerklärung definiert klar die Haltung des Unternehmens.
Zentral ist eine zweistufige Prozesslandschaft:
Vertrauenspersonen als niederschwellige, vertrauliche Erstansprechstelle
Beschwerdestelle für formale Klärung und Maßnahmen
Diese Struktur ermöglicht sowohl Orientierung als auch konsequentes Handeln. Begleitend wurden Trainings, Supervision sowie ein kontinuierliches Fallmonitoring etabliert.
Oberstes Ziel war es, die Null-Toleranz-Haltung klar, verständlich und glaubwürdig zu vermitteln.
Im Fokus standen:
Sensibilisierung aller Mitarbeitenden
Handlungssicherheit für Führungskräfte
Positionierung als diskriminierungsfreie Arbeitgeberin
Eine zentrale Botschaft lautete:
👉 Die Grenze bestimmt die betroffene Person – nicht die Intention.
Besonders wirkungsvoll war die klare Unterstützung durch Generaldirektor Peter Weinelt, der mit deutlichen Aussagen für Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit sorgte.
Die Kampagne lief über ein Jahr und war bewusst als kontinuierliche „Überkommunikation“ angelegt.
Maßnahmen umfassten u. a.:
Intranetplattform mit Informationen, Anlaufstellen und Praxistipps
Erklärvideos in verschiedenen Formaten (barrierefrei)
Newsletter, Online-Sprechstunden, E-Learnings und Vorträge
Infoscreens und regelmäßige Beiträge
Mitarbeiterzeitung „Teamgast“ (Auflage: 50.000, Versand nach Hause)
Besonderes Augenmerk lag auf der Erreichbarkeit dezentraler und manueller Mitarbeitender:
Über 1.200 Plakate und knapp 12.000 Free Cards wurden verteilt
Verzicht auf QR-Codes zugunsten einfacher Suchbegriffe
Anpassung von Materialien an lokale Gegebenheiten
Ein Toolkit ermöglichte es den einzelnen Konzernunternehmen, Maßnahmen flexibel und bedarfsgerecht umzusetzen.
Die Kampagne erzielte messbare und nachhaltige Erfolge:
2.500 Unique Visitors auf der Intranetplattform
Newsletter-Öffnungsraten von über 60 %
durchgehend 5,0-Sterne-Bewertungen ohne negative Kommentare
hohe Sichtbarkeit durch Print- und digitale Maßnahmen
Auch kulturell zeigte sich Wirkung:
„Respekt für Grenzen“ etablierte sich als fester Begriff im Unternehmen
Neue Mitarbeitende hoben die respektvolle Unternehmenskultur positiv hervor
Das Thema wurde in Leitprinzipien integriert
Die Kampagne wurde zudem mehrfach ausgezeichnet bzw. nominiert, u. a. für den Staatspreis PR.
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Ansprache von 5.000 Mitarbeitenden im Fahrdienst, die während der Arbeit keine digitalen Geräte nutzen dürfen.
Wichtige Learnings:
Print bleibt essenziell für dezentrale Zielgruppen
Einfache, klare Sprache ist entscheidend für alle
Wahrgenommene „Überkommunikation“ ist notwendig, um alle zu erreichen
Vertrauensaufbau benötigt langfristige, kontinuierliche Kommunikation
Die Kampagne „Respekt für Grenzen“ zeigt eindrucksvoll, wie interne Kommunikation zur nachhaltigen Kulturveränderung beitragen kann.
Erfolgsentscheidend waren:
klare Haltung und konsequente Botschaften
starke Unterstützung durch das Top-Management
durchdachte Prozessstruktur
zielgruppengerechte, barrierearme Kommunikation
Damit setzen die Wiener Stadtwerke ein starkes Beispiel dafür, wie Organisationen Werte nicht nur kommunizieren, sondern wirksam im Alltag verankern können.