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Noah Kramer, M.A., Managing Partner & Strategic Communications bei Werbeberg Digital Communications, spricht im Interview über Neugier als Schlüsselkompetenz, den verantwortungsvollen Einsatz von KI und die Bedeutung von Haltung, Kontext und Empathie. Ein Gespräch über professionelle Kommunikation zwischen Technologie, Gesellschaft und Menschlichkeit.
Mein perfekter Arbeitstag ist eine ausgewogene Mischung aus unterschiedlichen Momenten: der Zusammenarbeit mit meinem großartigen Team, intensivem fachlichen Austausch und dem direkten Kontakt mit unseren spannenden Kund:innen. Besonders schätze ich Tage, an denen man gemeinsam denkt, diskutiert, hinterfragt und Lösungen weiterentwickelt. Genau darin liegt für mich auch die Stärke unserer Branche: Kommunikation ist nichts Statisches, sondern ein lebendiges Fach, das sich laufend verändert. Umso wichtiger ist es, offen zu bleiben, voneinander zu lernen und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln – fachlich wie persönlich.
Ich bin überzeugt, dass Kommunikation in Zukunft vor allem menschlicher und authentischer wird. Gerade weil KI immer leistungsfähiger wird, wächst das Bedürfnis nach echter Haltung, Persönlichkeit und Kontext. Menschen wollen menschliche Inhalte rezipieren – keine perfekt formulierten, aber austauschbaren Texte ohne Tiefe. Für uns als Kommunikator:innen bedeutet das auch eine stärkere Professionalisierung: Wir müssen lernen, KI sinnvoll als Werkzeug einzusetzen, ohne Verantwortung, Einordnung und Empathie aus der Hand zu geben. Gute Kommunikation wird sich dadurch auszeichnen, dass sie reflektiert, glaubwürdig und relevant bleibt – und genau das erfordert ständiges Lernen und Weiterdenken.
Für mich ist Neugier eine der zentralen Kompetenzen – verbunden mit echtem, ehrlichem Interesse am Gegenüber. Nur wer verstehen will, kann komplexe Zusammenhänge durchdringen und daraus gute Botschaften entwickeln. Das ist für mich auch einer der schönsten Aspekte dieses Berufs: Man darf professionell neugierig sein. Gleichzeitig ist Neugier die Grundlage für Weiterentwicklung. Kommunikation verändert sich laufend – gesellschaftlich, technologisch, kulturell – und wer in diesem Beruf arbeitet, muss bereit sein, sich ständig neues Wissen anzueignen, Perspektiven zu wechseln und dazuzulernen.
Eine einzelne, abschließende Leseempfehlung gibt es für mich nicht – dafür ist unser Feld zu dynamisch. Kommunikation profitiert enorm davon, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, gerade in Richtung Soziologie, Medienethik oder Gesellschaftsanalyse. Zuletzt haben mich besonders beschäftigt: „Triggerpunkte“ von Steffen Mau, das sich mit gesellschaftlicher Spaltung und Polarisierung auseinandersetzt, „Die große Gereiztheit“ von Bernhard Pörksen, das unsere aktuelle Kommunikationskultur sehr treffend analysiert, sowie „Die Vereindeutigung der Welt“ von Thomas Bauer, das auch für Kommunikator:innen viele spannende Denkanstöße liefert. Solche Bücher helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen – und genau das ist essenziell für gute Kommunikation.
Die größte Gefahr sehe ich in der zunehmenden Austauschbarkeit. Wenn KI unreflektiert eingesetzt wird, entstehen schnell glatte, inhaltsleere Texte ohne Haltung, Kontext oder Verantwortung. Gerade deshalb braucht es mehr Professionalität und Reflexion: KI kann ein starkes Werkzeug sein, ersetzt aber weder strategisches Denken noch menschliches Urteilsvermögen. Unsere Aufgabe als Kommunikator:innen ist es, Inhalte einzuordnen, ethisch zu reflektieren und Verantwortung zu übernehmen. Auch hier zeigt sich, wie wichtig kontinuierliches Lernen ist – technologisch, aber auch in Bezug auf Werte und Qualitätsstandards.
PR basiert auf Transparenz, Dialog und Verantwortung. Propaganda hingegen will manipulieren, vereinfacht bewusst und lässt keinen Widerspruch zu. Gute PR respektiert ihr Publikum, nimmt unterschiedliche Perspektiven ernst und stellt sich auch kritischen Fragen. Für mich kommt es dabei ganz wesentlich auf das zugrunde liegende Menschenbild an: In der PR dürfen wir nie vergessen, dass unsere Zielgruppen keine abstrakten Gegenüber sind, sondern echte Menschen mit echten Bedürfnissen. Es geht nicht darum, zu manipulieren, sondern zu überzeugen – ehrlich, nach bestem Wissen und Gewissen, evidenzbasiert und mit den besten Argumenten. Gerade diese Haltung macht für mich professionelle strategische Kommunikation aus.