28.08.2014

Die Luft für unethisches Verhalten wird dünner

Kommentar von Mag. Susanne Hudelist, Managing Partner bei ikp Wien GmbH

Koppelungsgeschäfte, Erfolgsgarantien, die Annahme von unangemessenen Geschenken, Bestechungen und Schwarzgeld, Mitarbeiterausbeutung und Gratis-Praktikanten: Die Liste unethischer Verhaltensweisen in der PR-Branche ist lang; und einige schwarze Schafe haben unsere Branche in den letzten Jahren gehörig in Verruf gebracht. Wer hört schon Fragen gern wie „Habt ihr eh nix mit dem xxx-Skandal zu tun“? Oder: „Verlangt ihr auch 10.000 Euro für eine Pressekonferenz“?

Als Strategieberater arbeiten wir direkt mit Unternehmensführern zusammen. Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind essenziell für langfristige Beziehungen. Daher müssen wir als Agenturen unseren Kunden und Partnern die Sicherheit geben, dass wir ethisch korrekt handeln. Und somit auch das Ansehen des gesamten Berufsstands in Österreich verbessern. Aber wie? Es gibt in Österreich neben den gesetzlichen Regulatorien, deren Erfüllung sowieso außer Streit stehen muss, auch gute unabhängige Instanzen, die als Anlaufstelle bei Fragen rund um Ethik und Arbeitsqualität dienen – ich denke hier an die Branchenverbände – und „Beschwerdebriefkästen“ wie den PR Ethikrat. Finden wir natürlich gut.

Noch wichtiger ist uns aber die freiwillige Selbstregulierung jeder Agentur über den Ehrenkodex des PRVA hinaus. Richtlinien für Arbeitsqualität und ethisches Verhalten von der Honorargestaltung bis hin zum Umgang mit Mitarbeiter/innen und Umweltschutz müssen nicht nur niedergeschrieben, sondern laufend aktualisiert und kommuniziert werden. Mitarbeiter/innen müssen sich dazu verpflichten, die Standards ihrer Agentur im Arbeitsalltag penibel umzusetzen – und sie müssen mit Konsequenzen rechnen, wenn sie sich anders verhalten.

Es ist unsere Aufgabe, unseren Teams das Rüstzeug in die Hand zu geben, diese internen Richtlinien auch auf den Boden zu bringen. Konkrete Vorgehensweisen in Situationen, die aus einem ethischen Blickwinkel heikel erscheinen, wie beispielsweise bei Angeboten zu Koppelungsgeschäften. Textbausteine und Argumentarien, die ihnen helfen, in solchen Situationen richtig zu reagieren. Damit ethisches Verhalten nicht nur graue Theorie bleibt, sollten die Prozesse in internen Workshops gemeinsam besprochen und anhand von Beispielen erklärt werden.

Arbeitsqualität und Ethik werden immer wichtiger, und in Zukunft auch immer stärker die Entscheidung eines Auftraggebers für eine Agentur beeinflussen. Mit dem Österreichischen PR-Gütezeichen, das dieses Jahr ins Leben gerufen wurde, hat PR Quality Austria einen wichtigen Meilenstein gesetzt. Als einer der ersten neun stolzen Träger dieser Zertifizierung dürfen wir uns zum Kreis jener Agenturen zählen, deren Qualität und seriöse Kommunikation auf den ersten Blick erkennbar ist. Nun liegt es an den zahlreichen weiteren Agenturen und Kommunikationsabteilungen, diesem Beispiel zu folgen.