11.03.2014

Die Generation Praktikum als Falle für alle

Kommentar von Susanne Senft, senft & partner


Personalentscheidungen gehören meiner Meinung nach zum Schwierigsten in der Unternehmensführung. Einen Universitätsabschluss hat heute jeder Bewerber. Um Dienstzeugnisse zu interpretieren, muss ich mich in die Wissenschaft der Verklausulierung einarbeiten und an den Motivationsschreiben kann ich nur die Qual derer ablesen, die sie verfassen müssen. Am aussagekräftigsten scheint mir da noch der Lebenslauf mit Ausbildung und Berufserfahrung.

Wenn ich mir die Lebensläufe der jungen Kolleginnen und Kollegen heute anschaue, dann haben viele etwas gemeinsam: die Aneinanderreihung von Praktika. Sechs Monate hier, neun Monate dort – dazwischen vielleicht mal ein Monat, wo man auf Suche war. Selbst engagierte junge Frauen mit 28 oder 29 Jahren, die fast eine lückenlose Beschäftigungschronologie aufweisen, haben es in all den Jahren nicht zu einer korrekten Anstellung geschafft. Statt dessen haben sie Praktika absolviert, mit 40 Wochenstunden und einem Monatsgehalt von 450 bis 660 Euro. Weit unter Kollektivvertrag also, weshalb man die versteckte Anstellung wohl auch als Praktikum tituliert. Warum gehen wir so mit unseren jungen Kolleginnen und Kollegen um? Warum bieten wir ihnen nicht die Chancen, die wir selbst hatten?

Nun, mag es ja sein, dass Geld kein motivierender Faktor ist – zumindest sagen das all jene, die genug davon haben. Es mag auch sein, dass die Kommunikationsabteilungen in Unternehmen aus Budgetgründen völlig unterbesetzt sind und sich mit Praktikanten helfen, die nicht zum Headcount zählen. Aber das erklärt noch lange nicht, warum sie oft so miserabel bezahlt werden. Natürlich ist es auch so, dass ein junger unerfahrener Kollege viel Aufwand in einer Agentur verursacht und erst angelernt werden muss. Aber wenn er nach einem Monat nicht mehr für die Agentur erwirtschaftet hat als die mickrigen 660 Euro, sollte ich als Agenturinhaberin über meine Führungsqualitäten nachdenken. Und das Argument, der junge Kollege solle es schätzen für eine namhafte Agentur arbeiten zu dürfen, hilft ihm auch nicht, wenn er die Miete bezahlen muss.

Der PRVA hat einen Ehrenkodex, die Branche hat einen Ethikrat, viel wird über Ethik in der PR diskutiert. Der wertschätzende Umgang mit unseren jungen Kolleginnen und Kollegen ist auch eine Form von ethischem Verhalten.

Wer mich jetzt für eine altmodische Sozialromantikerin hält, den lade ich zu einer kleinen Gedankenreise ein: Der 29jährige Akademiker, der heute als Praktikant für 660 Euro im Monat 40 Stunden die Woche arbeitet, sitzt in ein paar Jahren vielleicht in einem Unternehmen und bereitet einen Pitch für Agenturen vor. Er macht das mit der Erfahrung, dass Wertschätzung für harte Arbeit sich nicht in Geld ausdrückt, sondern in der Ehre. Das hat man ihm in den letzten Jahren ja so beigebracht.